Desflurator

in einem Dreieck zwischen Klinikalltag, Notfallrettung und zuhause

wo ist denn hier der Fernseher?

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Alles ruhig auf der Station. Plötzlich schellt das Notfallkoordinator-Telefon. Unser Rettungsdienst hat in jedem Krankenhaus diese Funktion eingefordert, um schnell und unkompliziert Notfälle anzukündigen oder Betten zu reservieren.

„Akute Luftnot, instabil“ heißt die Voranmeldung. Das festgelegte Programm läuft ab. Medis aufziehen, Beatmung vorbereiten, Narkose und Intubation bereitlegen.

Das Schockraum-Team bringt uns Horst (im Ruhrpott heißen alle Horst). Horst ist 45 Jahre alt, Extrem-Raucher und sieht für eine 75er periphere Sauerstoffsättigung verdammt zufrieden aus.

Als ich das Monitoring anschließe um eine erste Diagnose stellen zu können legt Horst los. „Verdammte scheiße!Hier ist kein Fernseher. Hier bleibe ich definitiv nicht!“. Man versucht es zu überhören. Doch er legt noch nach. „Es ist 16 Uhr. Ich bekomme jetzt wohl einen Kaffe und Kuchen. Kekse gehen auch, wenn kein Kuchen da ist.Aber keine Torte, das kann mein Magen nicht so ab.“

Mir müssen sämtliche Gesichtszüge entglitten sein, denn Horst fragte mich „is was?Gehts noch weiter hier?“.

Horst war diese Woche mein Parade-Beispiel für die Selbstverständlichkeit unserer Arbeit und die mangelnde Achtung der Arbeit, die wir in Krankenhäusern und besonders auf Intensivstationen leisten. Pflege genießt in der Öffentlichkeit ein hohes Ansehen, aber behält trotzdem den Wert eines „Hilfsarbeiters“. Manchmal hat es etwas von Gastronomie und Kellnern.

Jeder erwartet das wir da sind, wenn es eng wird. Aber wer hat sich schonmal mit dem beschäftigt, was wir tun? Die meisten Menschen denken, mein Job besteht aus Waschen und Tabletten verteilen. Und natürlich Bettpfannen leeren. Doch der Beruf birgt viel, viel mehr. Ich kann Laborwerte interpretieren, Beatmungsmaschinen bedienen, Dialysen fahren, bei Operationen assistieren. Ich kenne von allen Medikamenten die ich verteile die Nebenwirkungen. Ich kann Menschen wiederbeleben, notfalls auch ohne Arzt. Bei Operationen kann ich die Narkose führen, aber oftmals bin ich der Mensch, der sich neben einen fremden sterben Menschen setzt um die hand zu halten.

Ich bin insgesamt 6 Jahre zur Schule gegangen und habe 3 Staatsexamen ablegen müssen, um meinen Beruf auf einer Intensivstation ausüben zu dürfen. Und ich spreche wohl für alle meine pflegenden und rettenden Kollegen, wir wünschen uns auch den Respekt für unsere Leistung.

Wir sehen tun das alles gerne und ohne Dank, aber es darf nicht zur Selbstverständlichkeit verkommen.

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Autor: desflurator

Medizin basiert auf Aberglaube!

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