Desflurator

in einem Dreieck zwischen Klinikalltag, Notfallrettung und zuhause

Uschi kann nix dafür!

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Der Feierabend nahte,Übergabe war abgeschlossen und gefühlt waren wir schon in der Umkleide. Der Nachtdienst war wirklich mies besetzt,ein bißchen taten die Kollegen mir leid.
Plötzlich das meistgehasste Geräusch im Haus,ein aufdringliches Klingeln, Schockraum-Alarm.Eigentlich sind wir von der Intensiv nicht zuständig,aber die Anästhesie war im OP beschäftigt.
„Z.n. Sturz, intubiert/beatmet,GCS von 3, aktuell drucklos“.
Klar war,unser Nachtdienst konnte das nicht stemmen.Es fehlten schon 2 Leute,wenn jetzt noch jemand im Schockraum verschwindet fehlen 3 von 6.
Also wieder rein ins blaue Beinkleid und runter in die Ambulanz.
Wie üblich heißt sie bei mir Uschi.Im Pott heißen sie alle Uschi. Uschi ist Mitte 80,hatte schon seit Tagen Luftnot.Jetzt ist sie auf der Straße gestürzt,hat sich am Kopf verletzt und musste mehrfach wiederbelebt werden.
Es hat gut 1,5 Std gedauert,bis wir sie stabil auf die Intensiv verlegen konnten.

Dort erwarteten mich böse Blicke, was mir einfallen würde länger zu bleiben! Damit zeige ich nur wieder, das es auch so geht und immer jemand blöd genug ist länger zu bleiben.Unsere Position im Kampf um die grad gestrichenen 2 Vollzeitstellen habe ich damit weit zurückgeworfen.

Ich bin entsetzt!
Wir Pflegenden führen seit Jahren den Kampf um mehr Personal.Und ja, wir sind an dem Punkt angekommen,an dem wir die Patienten mit einbeziehen und informieren müssen!Nur so kommen wir weiter.Nur so wird der Öffentlichkeit bewusst, das hier etwas schiefläuft. Jedem, der in eine Klinik kommt muss bewusst sein, was hier abgeht. Wir müssen allen die Augen öffnen, das Pflege nicht mehr das ist, was es mal war!

Aber ich frage euch ganz offen

WAS UM GOTTES WILLEN KANN USCHI DAFÜR?

Das Problem liegt in der Politik,an den Krankenkassen, an den Medien,und letztlich an jedem einzelnen der nichts dagegen tun, an jedem der denkt das wir Pflegekräfte Hilfskellner sind!

Uschi, die gerade beatmet und lebensgefährlich verletzt,blutverschmiert und vollgekotzt vor mir liegt, hat nichts mit meinem Stellenplan und meiner Bezahlung zu tun! Sie braucht meine Hilfe. Und zwar jetzt! Ohne Diskussionen um Stellenpläne und Arbeitskämpfe. Denn das ist aktuell mein Job! Pflegen,Leben retten, Leiden lindern.

Denn am Ende haben wir uns alle diesen Job freiwillig ausgesucht. Wer sich für Pflege entscheidet, entscheidet sich für Schichtdienst, Rückenschmerzen, Anblicke nahe dem Brechreiz, Exkremente, traurige Momente, verängstigte Menschen,nervende Menschen und Momente in denen man harte Entscheidungen schnell fällen muss.Und eben Überstunden.

Also beschwert euch nicht, und überlegt euch mal wieder warum ihr diesen Beruf gewählt habt!

Kämpft mit uns gemeinsam!Macht euch stark, macht euch groß, geht mit Stolz und Würde in den Kampf!
Aber um Gottes Willen, lasst es nicht an den Patienten aus! Miteinander durch Information,nicht Gegeneinander durch Unterlassen, das ist der Weg.

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Autor: desflurator

Medizin basiert auf Aberglaube!

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