Desflurator

in einem Dreieck zwischen Klinikalltag, Notfallrettung und zuhause

Jeder Mensch hat etwas,was ihn antreibt

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der Schweiß läuft mir die Stirn runter. Ich trete in die Pedale und freue mich, wie schnell die km-Zahl auf dem Tacho steigt. Die Beine schmerzen, aber irgendwie habe ich auch keine Lust aufzuhören. Meine Fresse, tut das heute weh.

Es ist 7.00 Uhr morgens. Ich kämpfe mich den Fluss entlang. Die Enten schwimmen schnatternd neben mir her, Nebel liegt über dem Wasser und den Ruhrwiesen. Warum ist mir das früher nie aufgefallen?

Ich bin ganz alleine unterwegs.Mag daran liegen,das ich gerade vom Nachtdienst komme. Eigentlich müsste ich ins Bett. Aber es macht grad so einen Spaß.

Ich versuche die Umgebung wahrzunehmen. Es ist einfach toll,ich höre….. nichts! Es ist still. Keine Alarme, kein Geschrei. Früher bin ich mit MP3-Player auf den Ohren gefahren. Aber irgendwann war der Akku leer und ich musste ohne weiter.Da fiel mir diese wundervolle Stille auf.

Ich kämpfe mich weiter. KOMM,GIB DIR MÜHE,HEUTE SCHAFFST DU 2KM MEHR!

Hier bin ich alleine. Kein „Papa oder Pfleger“-Gebrüll. Keine klingelnden Geräte. Kein Handy, keine Emails.

Ich habe einen anstrengenden Job.Eigentlich sogar zwei. Ich sehe Sachen, die ich nicht sehen will. Ich muss für andere Menschen stark sein, wenn ich eigentlich heulen will.  Meine Berufe haben mich krank gemacht. Ich war traurig. Extrem traurig. Ohne fremde Hilfe wäre ich wohl nicht aus diesem Loch gekommen.

Jeder Mensch benötigt einen Ausgleich. Und jetzt sagt mir nicht, „die Familie ist mein Ausgleich“.Ist sie nicht. So sehr ich meine Familie auch liebe, es ist so Jeder in unserem Beruf muss etwas nur für sich alleine machen. Etwas, was ihn erschöpft und stärkt zugleich. Wandern, Basteln, Schwimmen, irgendetwas.

Ich fahre Mountainbike. Jetzt. Wieder. Ich konnte es mehrere Jahre nicht,mir fehlte die Kraft. Seit 2 Monaten bin ich wieder dran. Klar, ich werde kein Rennen gewinnen, und niemand steht an meiner Strecke und feuert mich an. Obwohl ich in meinem Dress wohl verdammt cool aussehe. Aber darum geht es hier nicht.

Es geht um das müde, verletzliche Wesen in mir, das mit seinem Beruf überfordert ist. Es geht um den erschöpften Vater, der 3 Kinder versorgt ohne auf sich selbst zu achten. Es geht um den Ehemann, der einschläft bevor er „Gute Nacht“ sagen kann.

Lasst nicht zu, das dieses Wesen Besitz von euch ergreift. Hebt eure Häupter und kämpft. Schämt euch nicht für eure Müdigkeit! Der Beruf frisst euch auf. Langsam, ganz langsam.

Gestern hat es geregnet. Ich bin wie ein kleines Kind voller Freude durch die Matsche gefahren und habe keine Pfütze ausgelassen. Zuhause angekommen ist die erste Frage „wie siehst du denn aus!“

Wie sehe ich aus? Wie ein Schwein! Wie ein glückliches, zufriedenes, ausgeglichenes Schwein…

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Autor: desflurator

Medizin basiert auf Aberglaube!

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