Desflurator

in einem Dreieck zwischen Klinikalltag, Notfallrettung und zuhause


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ich bin müde

Es gibt Studien die aufzeigen das die meisten Pflegekräfte nach 15 Berufsjahren aufgeben und resignieren.

In ein paar Monaten werde ich „15“.

Ich habe in den letzten Wochen immer wieder gemerkt wie schwer mir alles fällt. Das frühe aufstehen, der Schichtdienst, die Lautstärke, die Konzentration, einfach alles. Oft fehlt es mir im Gegensatz zu früher an Geduld, um mit nervigen Patienten umzugehen. Ich betreue vorrangig beatmete Patienten. Nicht,weil sie interessanter sind, sondern weil sie die Klappe halten.

Sachen,die mich früher berührt haben sind mir heute egal. Versteht mich nicht falsch, ich mag meinen Job, und ich bin verdammt gut darin. Aber ich bin müde. Mehr sogar, ich fühle mich alt und müde. Ich stumpfe ab. Ich werde zu dem Pfleger über den ich mich vor 10 Jahren aufgeregt habe,“wie kann er nur so reden!“

Müde, einfach nur müde.

Letzten Montag eröffnete der neue Geschäftsführer das wir kurz vor der Insolvenz stehen, und er uns einen Teil des Gehalts sowie das Weihnachtsgeld streicht. Großes Getöse, darf der das? JA, ER DARF! In aktuellen Tarifverträgen befindet sich eine Klausel,die das erlaubt.Wusste ich nicht. Kaum jemand von uns.

Zusätzlich werden etliche Stellen reduziert, bei „gleichbleibender Qualität der Pflege“. Auf die Frage wie wir das Pensum schaffen sollten hieß es „dann pflegen Sie eben weniger!“.

Die Zahl der Krankenscheine diese Woche war enorm.Wir mussten sogar 3 Intensivbetten schließen. Ich habe Verständnis.Denn letztlich ist die Krankmeldung der letzte Protest der uns noch bleibt.Sonst hört uns niemand zu.Wir sind alle müde. Müde und enttäuscht.

Die Fallzahlen sind um gut 3% gestiegen. Und obwohl wir unsere Aufgabe, unseren Vertrag einwandfrei erfüllt haben, nimmt man uns unser Geld weg.

Für 2015 sind wieder schwarze Zahlen geplant.Mein Geld will man aber trotzdem einbehalten.Für mindestens 4 Jahre.

Wo soll das noch enden? Ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl?Soll ich meine Taschen packen und verschwinden?

Ich bin müde. So müde.

Aber es ist Zeit aufzustehen und sich zu fragen „wenn ich nicht mehr pflegen kann,was kann ich dann tun?“

Niemand von uns muss sich das bieten lassen! Notfalls müssen wir unsere Macht durch Kündigungen und neue Aufgabenverteilung demonstrieren. Der Arbeitsmarkt ist aktuell so groß wie nie. Gute Pflegekräfte werden gesucht und können handeln.

Steht auf und kämpft!


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safety first!

Gestern am späten nachmittag überkam es mich.Nach ein paar Tagen Pause bedingt durch eine schwere Männergrippe wollte ich unbedingt noch eine Stunde aufs Rad.

Entschluss gefasst, schnell umgezogen und ab die Post.

Unterwegs kam mir spontan der Gedanke, mal eine ganz neue Strecke auszuprobieren. Die Strecke war super. Erst etwas durch die Stadt,dann durch den großen Park und um einen wunderschönen See. Um die Uhrzeit hat man den See auch für sich alleine.

In der 2. Runde kam es dann. Die Kette riss,verfing sich in den Speichen, das Hinterrad blockierte und innerhalb nicht mal einer Sekunde stieg ich elegant ab und landete im Gebüsch.

Da saß ich nu.Eben schnell gucken, alle Extremitäten noch da. Helm unbeschädigt. Schwein gehabt. Klamotten versaut, aber geht noch.

Im Hinterrad ist ne dicke 8, die Speichen rausgerissen und die Kette ist weg.

Dann erst wurde mir klar, ich hab kein Handy mit. Habe ich nie,habe Angst mein Smartphone zu verlieren. Und ich bin nicht auf meiner gewohnten Strecke. Hier sucht mich also auch niemand.

Ich habe mich also aufgekämpft und bin die letzten Kilometer nach hause gehumpelt.

Aus Erfahrung wird man ja klug. Also habe ich meine Radler-Ausrüstung heute um 3 Punkte erweitert.

1. ein altes Prepaid-Handy um notfalls Frau oder Feuerwehr rufen zu können.

2. einen Satz Erkennungsmarken mit Name, Geb-Datum, Blutgruppe und Allergien.

3. Die Reflexbänder gegen welche mit LED ausgetauscht. Die blinken auch weiter wenn man noch im Gebüsch liegt.

Und letztlich nochmal für alle, auch wenn man damit doof aussieht, fahrt niemals ohne Helm! Manchmal sieht man es nicht kommen.