Desflurator

in einem Dreieck zwischen Klinikalltag, Notfallrettung und zuhause


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Zwiegespalten

Ich habe eine Weile nichts mehr von mir hören lassen.

Immer viel zu tun,kennt ihr ja alle 😉

In den letzten Wochen befand ich mich auf Jobsuche, bedingt durch die gravierenden Gehaltskürzungen durch meinen Arbeitgeber. Dickköpfig wie ich bin rief ich eine Revolution aus.

Geprägt von Unstimmigkeiten im Dienstplan, Streitigkeiten mit den Leitungen und Rückenschmerzen tourte ich durch diverse Vorstellungsgespräche. Eines fiel dabei immer wieder auf: alle kochen nur mit Wasser.

Wir im Pott sagen dazu „woanders ist auch scheiße“.

Die Frage ist, bleibe ich wo ich bin und beseitige meine Probleme? Oder laufe ich weg und nehme meine Probleme mit?

Pflegekräfte sind die Sklaven der Stationsleitungen. Stationsleitungen sind nur Sklaven ihrer PDL. Und PDL sind die Sklaven der Geschäftsführer.

Die freie Wirtschaft lockt mit 9-17, Festgehalt,Mo-Fr, Firmenwagen und Handy. Aber dann bin ich kein Pfleger mehr.

Mir kreisen die Fragen im Kopf.Kann man überhaupt ablegen „Pfleger zu sein“? Wie familienfreundlich ist ein 9-17Job? Verpacke ich die ca. 3 Tage Arbeit mehr pro Monat?

Je näher die Entscheidung rückt,desto lauter schreit der Kopf, ich solle es sein lassen.

Glaubt bloß nicht, ich wäre auf die in Kliniken übliche Hirnwäsche reingefallen. Mir ist egal, wer die Patienten versorgt wenn ich weg bin.Und mir ist egal, ob meine Stelle nachbesetzt wird oder nicht. Völlig egal. SCHEIßEGAL!

Aber Pfleger zu sein ist kein normaler Job. Man muss es leben, man muss es einfach „sein“. Kann man diese Fähigkeiten einfach ablegen? Kann man einfach aufhören, Pfleger zu sein?

Die Entscheidung jedenfalls fällt schwer und wird zum Glück seitens des potentiellen neuen Arbeitgebers immer wieder verschoben.

Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind miserabel. Und der Druck wächst. Wir reden über Zeitdruck, Gehaltsverluste, fehlende Pausen, Überstunden, körperliche Belastung, mangelnde Wertschätzung, etc. Aber wir reden auch über Druck durch die Vorgesetzten, Aufforderungen Pflegedokumentationen zu fälschen, Pflegefehler zu vertuschen, Hygienemängel, anstrengende Angehörige, oder den Durchgeknallten der die Kollegin mit einem Messer bedroht und von 6 Polizisten auf Station mit Waffengewalt aufgehalten werden muss.

Doch in welchem Beruf bekommt man sonst ein so menschliches Feedback? Das Gesicht der deliranten Patientin die ich entfixiert, mobilisiert und ans Fenster geschoben habe um den Schnee zu sehen, das war schon erwärmend. Auch für nen Kerl wie mich.

Die Zuneigung, die ich von einem dankbaren Patienten genieße, werde ich in der freien Wirtschaft niemals bekommen. Da gehts nur um Geld.

Ich hab grad keine Ahnung, was mir wichtiger ist.

Es bleibt also spannend.