Desflurator

in einem Dreieck zwischen Klinikalltag, Notfallrettung und zuhause

Zwiegespalten

5 Kommentare

Ich habe eine Weile nichts mehr von mir hören lassen.

Immer viel zu tun,kennt ihr ja alle 😉

In den letzten Wochen befand ich mich auf Jobsuche, bedingt durch die gravierenden Gehaltskürzungen durch meinen Arbeitgeber. Dickköpfig wie ich bin rief ich eine Revolution aus.

Geprägt von Unstimmigkeiten im Dienstplan, Streitigkeiten mit den Leitungen und Rückenschmerzen tourte ich durch diverse Vorstellungsgespräche. Eines fiel dabei immer wieder auf: alle kochen nur mit Wasser.

Wir im Pott sagen dazu „woanders ist auch scheiße“.

Die Frage ist, bleibe ich wo ich bin und beseitige meine Probleme? Oder laufe ich weg und nehme meine Probleme mit?

Pflegekräfte sind die Sklaven der Stationsleitungen. Stationsleitungen sind nur Sklaven ihrer PDL. Und PDL sind die Sklaven der Geschäftsführer.

Die freie Wirtschaft lockt mit 9-17, Festgehalt,Mo-Fr, Firmenwagen und Handy. Aber dann bin ich kein Pfleger mehr.

Mir kreisen die Fragen im Kopf.Kann man überhaupt ablegen „Pfleger zu sein“? Wie familienfreundlich ist ein 9-17Job? Verpacke ich die ca. 3 Tage Arbeit mehr pro Monat?

Je näher die Entscheidung rückt,desto lauter schreit der Kopf, ich solle es sein lassen.

Glaubt bloß nicht, ich wäre auf die in Kliniken übliche Hirnwäsche reingefallen. Mir ist egal, wer die Patienten versorgt wenn ich weg bin.Und mir ist egal, ob meine Stelle nachbesetzt wird oder nicht. Völlig egal. SCHEIßEGAL!

Aber Pfleger zu sein ist kein normaler Job. Man muss es leben, man muss es einfach „sein“. Kann man diese Fähigkeiten einfach ablegen? Kann man einfach aufhören, Pfleger zu sein?

Die Entscheidung jedenfalls fällt schwer und wird zum Glück seitens des potentiellen neuen Arbeitgebers immer wieder verschoben.

Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind miserabel. Und der Druck wächst. Wir reden über Zeitdruck, Gehaltsverluste, fehlende Pausen, Überstunden, körperliche Belastung, mangelnde Wertschätzung, etc. Aber wir reden auch über Druck durch die Vorgesetzten, Aufforderungen Pflegedokumentationen zu fälschen, Pflegefehler zu vertuschen, Hygienemängel, anstrengende Angehörige, oder den Durchgeknallten der die Kollegin mit einem Messer bedroht und von 6 Polizisten auf Station mit Waffengewalt aufgehalten werden muss.

Doch in welchem Beruf bekommt man sonst ein so menschliches Feedback? Das Gesicht der deliranten Patientin die ich entfixiert, mobilisiert und ans Fenster geschoben habe um den Schnee zu sehen, das war schon erwärmend. Auch für nen Kerl wie mich.

Die Zuneigung, die ich von einem dankbaren Patienten genieße, werde ich in der freien Wirtschaft niemals bekommen. Da gehts nur um Geld.

Ich hab grad keine Ahnung, was mir wichtiger ist.

Es bleibt also spannend.

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Autor: desflurator

Medizin basiert auf Aberglaube!

5 Kommentare zu “Zwiegespalten

  1. Sie sehen das genau richtig. Ich arbeite in der freien Wirtschaft: Arbeitszeitverdichtung, Überstunden, fehlende Wertschätzung, neidische Kollegen. Ein „Danke“ höre ich selten; Kritik dagegen kommt gerne und oft. Und ich habe übrigens kein 9-17 und keinen Dienstwagen. Genießen Sie jeden dankbaren Blick eines Patienten; Sie werden dieses menschlich warme Feedback „da draußen“ nicht haben.

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  2. Ich kann das ein Stück weit nachvollziehen. Ich machte noch 20 Monate Zivi. RTW, KTW, Behindertentransporte alles was ein Zivi so machen musste. Viel mit Kindern. Obwohl ich zuvor ein Handwerk lernte machte mir Zivi sehr viel Spaß. So sehr, dass ich danach sogar noch eine Zeit lang zur Überbrückung dort arbeitete.
    Das war nicht immer leicht und nicht einfach und der Tag als diese Flugkatastrophe von Ramstein passierte, das war heftig. Trotzdem, man hatte ein gutes Gefühl. Das mit dem Helfen.
    „Draußen“ da kochen sie wirklich nur mit Wasser. Ein Kumpel jammert über das Scheiß Diensthandy. Der andere über den dämlichen Dienstwagen den er auch privat nutzen muss, dass er sich rentiert. Weiß der Teufel. Ich kann da nicht mitreden, ich bin gegen solche Lockmittel immun. Sprich, keiner schenkt Dir was, mit diesen Gimmicks ist nicht selten eine unangenehme Verpflichtung dahinter.
    Viel Glück bei Deiner Entscheidung

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  3. Vor dieser Entscheidung stehe ich auch. Aber kann ich überhaupt was anderes als Pflege? Wollte ich doch seit Kindertagen Krankenschwester sein… Die Vorstellung was anderes als Pflege zu machen fällt wirklich schwer…

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  4. 9-17 Uhr mit Firmenwagen und Handy zu einem Supergehalt. Also keine Frage, machen!
    Wenn es doch so einfach wäre. Ich fahre auch einen Firmenwagen und habe ein Diensthandy. Meine Wochen liegen zwischen 50 und 60 Stunden. Es macht meist Spass, aber es ist auch ständiger Druck da. Geld sparen, schneller, mit weniger Mitarbeitern. Auch Dein 9-17 Uhr Job wird irgendwo Haken haben. Du kennst Sie nur noch nicht.

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  5. Was ist so toll an 9-17? Du schläfst aus, isst was und gehst an die Arbeit. Pünktlich 17 Uhr Feierabend machen? Kommt wahrscheinlich seltener vor als dir lieb sein wird. Selbst wenn du 17 Uhr Feierabend machst. In der Regel sind die meisten Leute erst eine Stunde später daheim. Dort gibt es Abendessen und dann? Krempelst du dann noch die Welt um? Hast du dann noch Zeit für die Kinder?

    Ja mich kotzen meine Frühdienste auch an wenn ich um 4 Uhr aus dem Bett kletter, dafür habe ich aber dann am Nachmittag Zeit was zu reissen. 5 Tage am Stück frei für einen Kurztripp oder um was mit den Kindern zu erleben? Vergiss es! So sehr wie mich die langen und vielen Dienste am Stück ankotzen, ich will es gar nicht anders haben. Sicherlich nervt es auch wenn alle Kumpels am WE feiern während ich Dienst schieben muss. Aber es ist nicht jedes WE. Lass dich nicht von Geld und Gimmicks blenden, es gibt mehr und vor allem wichtigeres im Leben.

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