Desflurator

in einem Dreieck zwischen Klinikalltag, Notfallrettung und zuhause


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„Pest oder Cholera?“ oder „wie tief willst du sinken?“

Wir haben kürzlichst einen neuen Kollegen bekommen.
Der aufmerksame Leser denkt „was hat der Kerl nu jetzt wieder zu motzen?“.
Erstmal hat er nix zu motzen.Wir freuen uns über jeden der freiwillig noch bei uns arbeiten will, trotz der Gehaltsreduktion.

Aber im Gespräch stellten wir schnell fest,wir haben eine Gemeinsamkeit,wir finden unseren Job und die Station scheiße.Aber, sein alter Arbeitgeber war noch viel schlimmer. Klare Aussage „hier ist es zwar scheiße,aber weniger scheiße!“.

Lässt man diesen Satz auf sich wirken so denkt man sich, in der Pflege kann man nur zwischen Pest oder Cholera entscheiden.
Beides willst du nicht,aber du musst eines nehmen.Gibt es eigentlich noch einen schönen Job in der Pflege?
Oder wie tief kann ich meine Ansprüche herabschrauben?Muss mir mein Job überhaupt Spaß machen?

Ich habe lange nicht mehr nachgedacht über das was ich tue.Ich funktioniere aktuell nur noch,das Drumherum ist mir scheißegal.Ich mache stupide meinen Job,das was von mir verlangt wird.
Jetzt kann ich mir die Frage wohl selbst beantworten „wie tief bin ich schon gesunken?“.

Ich habe meinen Beruf,meine Ideologie,meine Identität als Pfleger aufgegeben. Nein,eher verloren.
Der Kampf im Gesundheitswesen scheint aussichtslos.

Dennoch hat der Kollege mir einen hellen Moment verschafft und mich dazu gebracht nachzudenken.Das erste Mal seit Monaten.Evtl sollte ich ihm danken.

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